Busse und Oscar: Für wen ist was?

Ein Leser rügt: «Beherrschung der sprachlichen Feinheiten gehört zu den Merkmalen einer Qualitätszeitung. 'Rekordbusse ... gegen die Swisscom' wäre eine solche Gelegenheit gewesen, sich auszuzeichnen – oder schaut für die Swisscom denn etwas heraus?»

Meine Antwort:

Wir tun Busse, freilich nur für die parallele Verwendung von «für» und «gegen», denn für den Telegrammstil, den wir in Titeln oft verwenden, gibt es keine Regeln. Es kommt drauf an, wie man sich den Titel zum Satz ergänzt denkt: Es wurde ein(e) ...

- Rekordbusse über die S. verhängt.

- Rekordbussenbescheid für die S. ausgestellt.

- Rekorbussenverfügung gegen die S. gerichtet.

Wenn wir uns überlegen, wie die meisten Leser wohl spontan ergänzen, liegen wir mit «für» nicht schlecht. Man sagt ja auch: «Ich habe eine Busse bekommen», obwohl das Geld danach in die umgekehrte Richtung fliesst.

Ein anderer häufiger Fall: «Keinen Oscar für Charity» – Hartnäckig hält sich die Meinung, in solchen Titeln müsse zwingend der Akkusativ stehen. Das ist nicht der Fall; auch hier kommt es auf die (spontane) Ergänzung an:

- Es gibt keinen Oscar ...

- Da ist kein Oscar ...

- Kein Oscar hat für Charity herausgeschaut.

- Wir wollen keinen Oscar für Charity.

Um die letzte, sloganhafte Deutung des Titels zu vermeiden, ziehe ich hier den Nominativ vor. Dieser soll ohnehin stehen, wenn sich kein anderer Fall aufdrängt.

© Daniel Goldstein