Jedes Ding zu seiner Zeit
«Der gekaperte Frachter wurde in der Meerenge überfallen.» – So ein Pech: zuerst gekapert, und dann auch noch überfallen!
«Drei in Grenchen aufgefundene Tote sind einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen.» – Leichenschändung? Gemeint: «Drei Tote waren Opfer eines Gewaltverbrechens.»
«Emotionen kommen bei ihm nur auf, wenn er Handys sieht, die er konsequent zerstört.» – Wenn er andere Handys sieht, sogar solche, die er inkonsequent zerstört, dann bleibt er offenbar kalt. Gemeint: «... wenn er Handys sieht, und die zerstört er jedes Mal.»
«Statt der undankbaren Verehrten traf er mit seinem Pfeil einen Mann, der unverletzt blieb.» – Ähnlich wie oben und im vorhergehenden Sprachhäppchen; merke: Der Relativsatz eignet sich nicht dazu, die Fortsetzung zu erzählen; er beschreibt eine Eigenschaft, die bereits im Moment des Geschehens vorhanden ist (oder zumindest angelegt): «Sie traf den Mann, den sie später heiraten sollte.» Nur hoffen wir, diesmal sei mit «treffen» begegnen gemeint.
«Sie hatte den mittlerweile eingeschläferten Hund gehütet.» – Halbwegs passabel, da die Zeitenfolge ersichtlich ist.
«Heute, 35 Jahre später und nach den Anschlägen vom 11. September 2001, wirkt dieses Bild noch utopischer. Es kommt aus einer Zeit der verlorenen Unschuld.» – Nein, damals war sie eben noch nicht verloren. «... der seither verlorenen Unschuld» klingt zwar weniger prägnant, vermeidet aber den Anachronismus.
© Daniel Goldstein