Relativ missbräuchlich

«Er schiebt brisante politische Kulissen auf die Bühne des Textes, die dann unvermittelt wieder in den Hintergrund rücken.» – Ein Relativsatz soll das, worauf er sich bezieht, näher beschreiben, und nicht die Darlegung fortsetzen. Im Moment ihres Auftauchens haben die Kulissen noch kaum die Eigenschaft, wieder zu verschwinden. Also besser: «..., doch dann rücken diese unvermittelt wieder in den Hintergrund.»

«H. war einst bei A. zum Tee geladen und hat mit dieser vielleicht den Knaben gezeugt, der neun Monate später tot zur Welt kam.» – Anders als oben: Der Knabe kann im Rückblick auf den Moment der Zeugung durchaus schon als jener bezeichnet werden, der neun Monate später geboren werden wird. Ein Problem bieten die Zeiten, mit dem Imperfekt vor und nach dem Perfekt. Präzis wäre die Zukunft in der Vergangenheit («tot zur Welt kommen sollte»), aber sie kann missverständlich wirken und ist für die Zeitungssprache etwas gar gehoben. Im vorliegenden Fall würde ich am Schluss das Präsens setzen.

«S. und F. wollten eine Richtigstellung in der Presse platzieren, deren Veröffentlichung vom damaligen Stadtpräsidenten verhindert wurde.» – Einmal abgesehen davon, dass selbst ein Stapi kaum die Veröffentlichung der Presse verhindern konnte: Es war nicht die Absicht der Herren S. und F., erfolglos eine Richtigstellung zu verlangen. Also: «... in der Presse eine Richtigstellung platzieren, doch deren Veröffentlichung...»

© Daniel Goldstein