Bitte recht logisch (2)

«Auf meine Initiative hin hat der Nationalrat – der Ständerat muss noch zustimmen – das Verfahren geregelt.» – Hier irrt der Tribünenschreiber: Der Ständerat muss nicht, sondern ist frei, aber die Vorlage muss seine Gunst finden, wenn sie Gesetz werden soll. Also: «…es braucht noch die Zustimmung des Ständerats...»

«Nur weil wir uns ein Leben ohne Zeitungen nicht vorstellen können, heisst das noch lange nicht, dass bedrucktes Papier im Briefkasten liegen muss.» – Man verstehts, so wie man das englische Original dieser Konstruktion versteht: «Just because ... doesn't mean...» Aber das gilt auch im Englischen als Fehler, wegen der Logik: «Weil» leitet eine Begründung ein, allenfalls eine zurückgewiesene – und (vermeintlich) begründet wird hier nicht das «Heissen», sondern die darauf folgende Behauptung. Also: «Nur dass wir uns ein Leben ohne Zeitungen nicht vorstellen können, heisst noch lange nicht, es müsse bedrucktes Papier im Briefkasten liegen.» (Mit «es» lässt sich das doppelte «dass» vermeiden.)

«Nur weil man die Wahlen gewonnen hat, ist man noch nicht berechtigt, die Geschichte umzuschreiben.» – Der Satz ist in Ordnung, aber er illustriert eine weitere Tücke von «nur weil». Mit bösem Willen kann man ihn auch so verstehen: «Der Wahlsieg ist der einzige Grund dafür, dass man die Geschichte noch nicht umschreiben darf.» Hier ists offensichtlich nicht so gemeint, aber wenn Missverständnisse möglich sind, muss man sie vermeiden, indem man anders formuliert.

«Es ist wenig wahrscheinlich, dass der Stadtrat nicht nachzieht und den geforderten Kredit ablehnt.» – Da muss man sich schon auskennen, um zu verstehen, dass «nachziehen» bedeutet, dem Kredit zuzustimmen, und nicht, ihn abzulehnen. Besser: «...dass der Stadtrat nicht nachzieht, sondern den Kredit ablehnt.» Noch besser: «Es ist wahrscheinlich, dass der Stadtrat nachzieht und den geforderten Kredit bewilligt.» (Doppelte Verneinung vermieden.)

«...dass kein Tag vergehe, ohne dass sie nicht ein Leben retteten.» – Dreifache Verneinungen muss man immer vermeiden – entweder ist es, wie hier, eine zu viel, oder der Logik-Teig geht zwar auf, ist aber ungeniessbar.

© Daniel Goldstein