«Der Reihe nach»

Ein knackiges Zitat, eine heillose Verwirrung, eine pittoreske Szene, und schon ist der Leser gefesselt, die Leserin in medias res («mitten in die Dinge») gezogen. Wie bringen wir sie dazu, uns weiterhin zu folgen, wenn wir notgedrungen Tempo wegnehmen und Langweiligeres präsentieren, damit der hübsche Einstieg nicht in der Luft hängen bleibt?

«Der Reihe nach», sagen wir in letzter Zeit oft, entschuldigend oder beruhigend, bevor wir beinahe den Anfang von SDA-Unfallmeldungen aus der guten alten Zeit nachholen («Ein Mann begab sich zur Garage, um eine Fahrt mit seinem Automobil anzutreten»).

Am Rhythmuswechsel ist an sich nichts auszusetzen – aber muss er angekündigt werden? Meist gibt es schon im Einstieg einen Punkt, an den die breitere Darlegung angeknüpft werden kann. Dass die jetzt kommt, merkt man beim Lesen schon.

Soll der Schritt zurück noch besser sichtbar gemacht werden, dann bitte nicht stereotyp, sondern mit Bezug zum Thema. Das kann eine passende Frage sein («Wie konnte XY so tief sinken?»), eine Einordnung («Die Vorgeschichte könnte aus Seldwyla stammen») oder eine literarische Anleihe («Das kam so», wenn die Sache auch Eugen hätte passieren können).

© Daniel Goldstein