Geschlechtsver(w)irrungen

«Er übergibt die Rute einem Mädchen und sucht für sie den Teich nach Fischen ab.» – Nein, für es, das Mädchen – ich nehme wenigstens an, er hats nicht für die Rute getan. Ein sächliches Wesen bleibt sächlich, auch wenn es weiblich ist. Und eine männliche Waise ist die, nicht der Waise.*

«Operation an einer Peperoni» – Der Duden kennt zwar dieses Gemüse und hält es für a) weiblich und b) eine «scharfe, kleine Paprikaschote». Er kennt aber auch den (italienisch korrekten) Peperone, und ein solcher wurde hier vermutlich übungshalber operiert. Die Deutschen nennen dieses grössere Gemüse meist Paprika, aber das brauchen wir ihnen nicht nachzumachen.

«Am traditionellen Fête du peuple jurassien» – Bei Ausdrücken aus romanischen Sprachen behalten wir das Originalgeschlecht bei, statt jenes der (nicht immer eindeutigen) Übersetzung zu verwenden. Also: die Fête (zumal es sie ohne Akzent auch als weibliches deutsches Wort gibt), die Place. Ausnahmen gibt es bei Wörtern, die mit falschem Geschlecht ins Deutsche eingegangen sind, so die Tour (auch: ... de Suisse, siehe Duden). Wörter auf -ment, -mento, -miento werden aufgrund des lateinischen -mentum im Deutschen sächlich: das Mouvement, Rassemblement.

© Daniel Goldstein

*Der Artikel ist tatsächlich unverrückbar, nicht aber das Pronomen: Ich habe mich vom Korrektorat belehren lassen, dass der Satz mit der Fischerei grammatikalisch zulässig war. Der Bezug aufs natürliche Geschlecht («sucht für sie») hat sogar einen schönen Namen: Constructio ad sensum.