Der Ton macht die ... Betonung
«Kleine Portionen sind nur zu empfehlen,...» Da freut man sich, werden doch vermeintlich Genuss und Einsparung zugleich verheissen. Aber weit gefehlt, denn so gehts weiter: «...wenn man gerade eine Diät befolgt.» Das «nur» war mit Betonung gemeint, aber man merkt es erst, wenn man auf dem Holzweg weitergelesen hat und dann zurückschaut. Das sollten wir unseren Lesern ersparen, indem wir anstelle der mündlichen Betonung eine schriftliche Lesehilfe geben, hier: «...nur dann zu empfehlen,...»
Ähnlich: «Es gebe zurzeit nur einen Präsidenten.» Und keinen Superman? Wohl eher: «Es gebe zurzeit nur einen einzigen Präsidenten.» Das ist freilich bezogen auf die USA immer so; statt «zurzeit» wäre «auch jetzt» angebracht.
Anderseits: «Eine Stadt mit nur einer Zeitung ist eine 'gefährliche Gegend'.» Da war bereits klar, dass es um die Zeitungszweifalt ging und nicht darum, dass die Stadt bloss eine Zeitung, aber kein Radio/Theater/Spital oder was auch immer habe. Daher brauchte es «einzigen» nicht, und es wäre heikel gewesen, dieses Wort hineinzuflicken, denn da lag ein Zitat vor, obendrein in einem Fremdtext.
Geben wir eine mündliche Aussage wieder, so kann die Betonung durch Kursivsatz markiert werden: «Eine Stadt mit nur einer Zeitung...» Für andere Fälle empfehle ich diese Variante nicht, eine Schreibe ist nun mal keine Rede.
Auch mit der Wortstellung lässt sich die Betonung markieren: «Doch ein Projekt ging zumindest in die richtige Richtung» wird zu: «Ein Projekt zumindest ging jedoch in die richtige Richtung.»
Manchmal hilft eine Umformulierung: «Nur eine Sängerin hat den Belcanto derart kultiviert wie Gruberova» wird zu: «Keine andere Sängerin hat den Belcanto derart kultiviert wie Gruberova.» Zudem wird nur so logisch einwandfrei klar, dass Gruberova selber gemeint ist.
© Daniel Goldstein