Weiblichkeit (3):
Wie
mans macht, ists nicht recht
Im vorangehenden Sprachhäppchen habe ich empfohlen, bei Aufzählungen zwischen männlichen und weiblichen Formen abzuwechseln.
Aber auch solche Gleichbehandlung kann als Diskriminierung empfunden werden: Als im «Bund» stand, der sagenhafte Durchschnittslohn bei den Banken beziehe sich auf alle Angestellten, «von der Sekretärin bis zum Goldjungen», protestierte eine Leserin gegen dieses «unzeitgemässe Operieren mit Geschlechterkategorien».
Nun ist es gewiss so, dass bei den Banken einigen Männer ebenfalls relativ schlecht verdienen, und in der Spekulationsabteilung mag es sogar ein «Goldmädel» geben (nebenbei: wehe, wir hätten das so geschrieben). Aber dass Frauen generell weniger verdienen, ist ja gerade ein häufig und zu Recht vorgebrachter Klagepunkt.
Im beanstandeten Artikel ging es zwar nicht um Lohndiskriminierung oder den gehäuften Einsatz von Frauen in schlechter bezahlten Berufen, aber dass diese Tatbestände auf die Wortwahl durchschlugen, finde ich nicht stossend.
Es ist nicht unsere Aufgabe, die Wirklichkeit zu verändern, indem wir sprachlich den Sollzustand abbilden. Und die blosse Erwähnung eines Istzustands zementiert diesen noch nicht.
Dass es Leute verschiedenen Geschlechts gibt, gehört natürlich auch zum Istzustand und soll sich in der Sprache niederschlagen – aber ohne schwerfällige und verbissene Beflissenheit.
© Daniel Goldstein