Weiblichkeit (2):
Die
Ehre antun ...
... klingt herablassend, aber diese Gefahr besteht bei der Geschlechternennung immer. Dennoch kann es beim Schreiben sinnvoll sind, gelegentlich das Bewusstsein spüren zu lassen, dass die Menschheit unter anderem in Geschlechter eingeteilt wird.
Da sich Zeitungstexte immer auch zum Vorlesen eignen sollten, scheidet das Innen-I aus: Wie tönt «StadträtInnen»? Die konsequente Doppelnennung wiederum ist schriftlich wie mündlich ermüdend. Ich frage mich gelegentlich auch, wieso manche Frauen ständig daran erinnert werden wollen, dass sie in der deutschen Sprache fast immer als Anhängsel des Mannes behandelt werden («-in»).
Davon abgesehen, lässt sich eine gewisse Gleichbehandlung erzielen, indem man in ausgewählten Momenten beide Formen anführt oder bei Aufzählungen abwechselt:
– «Schweizerinnen und Schweizer...» (oder umgekehrt) ist dann sinnvoll, wenn es nicht einfach um die statistische Gesamtmenge geht, sondern um individuelles Verhalten, z.B. «...fallen in Souvenirläden oft dadurch auf, dass sie jedes Stück eingehend prüfen.»
– «Im Quartiertreff verkehrt die Lehrerin ebenso wie der Arbeiter, der Schweizer wie die Ausländerin, die Zuzügerin wie der Alteingesessene.»
P.S. Aus dem Wirtschaftsressort erreicht mich die Bitte, den (oder die weibliche) CEO zu bannen. Das übersteigt meine Macht, aber ich schliesse mich gern der dringenden Empfehlung an, statt des geschlechtsneutralen Globalkürzels deutsch und deutlich «Geschäftsführer» oder «Konzernchef» zu verwenden – letzteres wenn passend, und in beiden Fällen natürlich für Frauen die weibliche Form. Wenigstens bleibt uns im Deutschen die Komplikation erspart, dass manch eine «Madame le Directeur» just so genannt werden will.
© Daniel Goldstein