Schütteln, aber richtig!
«Es gab lyrische Ergüsse mit Schüttelreimen wie 'Der SVP die Trümpfe, den anderen die Schlümpfe'.» Da hat der Berichterstatter dem SVP-Dichter zu viel Ehre angetan: Dieser Reim ist kein geschüttelter. Dazu wäre es nötig, die Anfangslaute der beiden letzten betonten Silben zu tauschen: «Weh, für diesen Süffelreim gibt es einen Rüffel: Seim!» Oder: «Hast den Vers du scheu gerüttelt, wirst du von der Reu' geschüttelt.»
Vielleicht war «Knittelvers» gemeint, aber nicht einmal so einer wars, jedenfalls kein klassischer, der strengem Rhythmus folgt: «Hat die SVP die Trümpfe, bleiben andern nur die Schlümpfe.»
Für Versfreunde hier ein kleiner Wettbewerb, bei dem es nur Ruhm zu gewinnen gibt: Gesucht sind vierfache Schüttelreime, also solche, bei denen nicht nur die Anfangslaute, sondern auch die betonten getauscht werden, etwa so:
Gehe eine Meile, Sohn,
wickle in
die Seile Mohn,
lass sie auf der Mole sein,
sonst spürst
du die Sohle mein.
Aber Achtung: Die Verse mit «Liebetraut» sowie «reine Siechen» sind schon bekannt. Und jener mit der Ortschaft «Gossensassen» krankt an Wiederholungen.
© Daniel Goldstein