Englisch im Deutschpelz

Wörtliche Übersetzungen und Wörter, die in den beiden Sprachen fast gleich klingen, haben ihre Tücken: Sie können «falsche Freunde» sein, wenn die Bedeutungen voneinander abweichen.

«Konservative 'Bund'-Prognose» bedeutet, dass sie aus konservativer Quelle kommt; gemeint ist aber «conservative», und das heisst (nicht: «meint») in diesem Zusammenhang «zurückhaltend, vorsichtig».

«Das macht Sinn» ist keineswegs sinnstiftend, und auch die gut gemeinte Variante «das ergibt Sinn» ergibt nur dann Sinn, wenn vor unseren Augen der Sinn konstruiert oder enthüllt wird, fast wie bei Goethe und dem Ginkgo-Blatt («giebt geheimen Sinn zu kosten»). Meistens ist nichts so tief Schürfendes gemeint, sondern schlicht: «das ist sinnvoll», «das hat einen Sinn» oder «das leuchtet ein».

«Der König kehrte erst nach einem privaten Gespräch mit der Präsidentin in den Saal zurück.» Wir haben keinen Grund zur Annahme, die beiden hätten über private Dinge gesprochen; es war ein Separatgespräch und/oder ein vertrauliches.

«Wie fühlt es sich an, nicht mehr Alleinbesitzer zu sein?» Mit dem Anfühlen des Seins sind wir schon fast bei Heidegger; gemeint ist: «Was ist es für ein Gefühl...» Dieses «anfühlen» scheint eine Übersetzung von «what does it feel like» zu sein.

Ich habe bei www.anglizismenindex.de erfolglos beantragt, es aufzunehmen.

Und ich befürchte, alle genannten Beispiele werden früher oder später als korrektes Deutsch in dicken Wörterbüchern erscheinen, wenn der anhaltende Sprachgebrauch es so will. Aber soweit es in unserer Macht steht, sollten wir diesen Sprachgebrauch anhalten.

© Daniel Goldstein