Ist uns Eckliges vergönnt?

«Es sei zwar 'ecklig', aber nicht tragisch, wenn ein Kind zu Beginn Mühe habe.» -- Das Korrektorat verteidigte das «ck» mit dem Argument, das berndeutsche «ecklig» bedeute etwas anderes als das hochdeutsche «eklig», nämlich «sehr unangenehm» statt «widerlich». Stimmt – und hier kann dahingestellt bleiben, wie das Wort im Berndeutschen ausgesprochen wird, wenn es «gruusig» bedeuten soll. Im zitierten Satz aber kann es als falsch geschriebenes Hochdeutsch verstanden werden, zumal vor- und nachher rein hochdeutsche Zitate stehen. Berndeutsch müsste in einem Mischtext durch eigene Anführungszeichen kenntlich gemacht werden. Allerdings sieht «,ecklig'» blöd aus, geradezu eklig. Besser wäre es, das Zitat durch weitere Wörter als berndeutsch kenntlich zu machen. Steht das ganze Zitat im Dialekt, dann braucht es keine zusätzlichen Anführungszeichen. Beispiel: «Die SVP dürfe nun ,scho nes Schützli ecklig sy'.»

«Ecklig» und «eklig» sind, sofern sie in der Bedeutung voneinander abweichen, sogenannte falsche Freunde. Ein besonders krasser Fall: «Die Beziehung zu ihrem leiblichen Vater blieb ihr vergönnt.» Da ist die schweizerdeutsche Bedeutung gemeint, hochdeutsch «missgönnt», das genaue Gegenteil von «vergönnt».

Ein «falscher Freund» ist vermeintlich auch «lavieren» im folgenden Zitat aus einem Interview: «Wir hofften auf Unterstützung aus dem EDA, stiessen indessen nur auf Lavieren.» Der Duden kennt das Wort nur als Mal- und als Segeltechnik sowie für «sich mit Geschick durch Schwierigkeiten hindurchwinden». Bei uns muss man, wenn Geschick im Spiel ist, dies eigens erwähnen – sonst bedeutet «lavieren» eher: «sich ungeschickt oder unwillig vor Schwierigkeiten winden». Ich halte das nicht für Schweizerdeutsch, sondern für Schweizer Hochdeutsch, das vom Duden nur noch nicht bemerkt worden ist, und habe es der zuständigen Stelle gemeldet (dudenausschuss-ch@ksk.ch).

«Baustart nach 40 Jahren Weibeln» ist korrekt: Der Duden kennt das Verb als «schweiz.» – und nicht einmal «mdal.», sonst hätten wir es in Anführungszeichen setzen müssen. Das wäre bei «Fr. 7.50 pro Päckli» nötig gewesen.

© Daniel Goldstein