Schweizerisch, allzu schweizerisch
«Die waren ,nudledüre'.»: So ists genau richtig: schweizerdeutsche Wörter brauchen Anführungszeichen; im Zitat sinds einfache (ausser wenn das ganze Zitat schweizerdeutsch ist, dann fallen Zitat- und CH-Anführungsstriche zusammen).
In einem Titel sieht man nicht, ob das Wort als Zitat oder als Mundart-Ausdruck angeführt ist; damit müssen wir leben. Es hätte also heissen müssen: «Gfrörli» in Wollbadehose – angeführt und ohne das schreckliche Plural-S, das in diesem Titel und auch sonst ab und zu bei Mundart-Wörtern zu lesen ist. Es ist höchstens in Dialekt-Neologismen angebracht («Knackis»).
Bei Zweifeln, ob ein Wort Mundart-Anführungszeichen braucht, hilft ein Blick in den Duden. Nennt er es «schweiz.» (z.B. Trottoir), so brauchts keine; schreibt er aber «schweiz. mdal.» (z.B. «zügeln» im Sinn von umziehen), so brauchts welche – und erst recht, wenn das Wort gar nicht vorkommt (z.B. «Gfrörli»).
Ferner: «...sind die Schaufenster vom Juwelier Bucherer leergeräumt» erinnert fatal an «vom Winde verweht»: Der Juwelier wird zum Tatverdächtigen. Die Ersatzkonstruktion mit «von» könnte geradezu «schweizerischer Genitiv» heissen. Eindeutig aber ist: Es sind die Schaufenster des Juweliers Bucherer – oder mit dem vorangestellten «sächsischen Genitiv» Juwelier Bucherers Schaufenster.
«Von» kann stehen, wenn der Genitiv auf Urheberschaft hinweist: ein Werk von Goethe. In solchen Fällen ist «von» vorzuziehen, wenn es einen doppelten Genitiv vermeidet («die Lektüre eines Werks Goethes» geht auch, aber vielleicht dreht sich der Meister dann im Grabe).
Schliesslich: In der Schweiz sagen und schreiben wir «der Halbfinal, der Final», nicht «das Finale» (ausser wenn etwa der furiose Abschluss einer Aufführung gemeint ist).
© Daniel Goldstein