Gebrauchsartikel

«Hurrikan 'Gustav' hat gestern die US-Küste getroffen.» – Welch ein Zusammentreffen! Oder wars der erfolgreiche Abschluss eines Zielvorgangs? Aber ums «Treffen» soll es hier nicht gehen, sondern um den fehlenden Artikel: «Der Hurrikan ...» wäre richtig. Der Artikel fällt nur bei Titeln weg, und diese werden in Verbindung mit Namen auch nicht dekliniert: Präsident Gustav, der Freund Professor Hofers und Wachtmeister Studers. Alle andern Personenbezeichnungen erfordern den Artikel, und Sachbezeichnungen erst recht, auch wenn die «Sache» wie im Fall des Hurrikans einen Menschennamen trägt. Also bitte nicht: G. ging mit Hund Waldo spazieren. Und auch nicht: ... mit Sohn Walo. Es sei denn, er gehe mit Hund und Sohn spazieren, und man verzichte auf die Namensnennung.

Ein Sonderfall sind Berufsbezeichnungen: Es ist noch nicht so lange her, da wurden sie tatsächlich als Titel verwendet, und sie mögen heute noch zuweilen so gemeint sein. Also können sie nahtlos in die Mode des Artikelschwunds übergehen: Es braucht uns nicht zu kümmern, ob «Lehrer Lempel» und «Müller Müller» betitelt oder bezeichnet sind.

Ein weiterer Sonderfall ist «das Treffen mit Frankreichs Präsident Sarkozy». Das lässt sich abenteuerlich rechtfertigen: Da ist ein Präsident Sarkozy, Name und Titel sind fest verbunden und als Ganzes Frankreich zugehörig. Vorzuziehen ist aber «mit dem französischen Präsidenten»; auch «mit Frankreichs Präsidenten» ist korrekt, obwohl es seltsam nach Plural klingt.

Keine Frage des Artikels, sondern des Falls, aber es sei hier wieder einmal gesagt: Es gibt keinen Grund, eine Apposition in den Dativ zu setzen, wenn das Bezugswort nicht im Dativ steht. Einfacher gesagt: Der folgende Satz ist falsch. «Sie ist die Besitzerin des 'East Decks', dem einzigen Motel in den Ditch Plains.»

© Daniel Goldstein