Dieses und jenes
Da ist einer dieser neumodischen Sätze. «In einem dieser schwachen Boulevardpressemomente stiess ich neulich auf einen Artikel über Karl Lagerfelds Ängste und Visionen.» Am preisgekrönten Essay im «Kleinen Bund» sei hier nicht herumgemäkelt. Vielmehr ist der Einstieg ein schönes Beispiel für eine Erscheinung, die sich ausbreitet und möglicherweise einen dauerhaften Sprachwandel bedeutet. Die vorliegende Verwendung von «dieser» mag viele befremden; sie wäre noch vor wenigen Jahren schlicht als falsch gebrandmarkt worden.
«Diese/r/s» weist auf etwas bereits Genanntes hin, «jene/r/s» auf etwas, das erst noch kommt. Im Satz aus dem Schönheitsessay entspräche aber auch «jener» dieser Regel nur dann einigermassen, wenn wir uns vorstellen, nach «...momente» sei etwa «die wir alle kennen» weggelassen worden. Das Englische – da wird die neue Verwendung von «diese» wohl herkommen – kennt die erzählerische Verwendung von «this» in genau diesem Sinn, der auf eine stille Komplizität zwischen Autorin und Leser abzielt: «I met one of these obnoxious salesmen (you know the type)...» Es darf auch «those» sein, man nimmts da nicht so genau. Und weil im Deutschen sonst nichts Entsprechendes zur Verfügung steht, könnte sich dieses «diese» halten. Vielleicht auch ein gleichbedeutendes «jene»...
© Daniel Goldstein