Beim Wort genommen
Gar manches sagt sich so leicht dahin, und man ist damit in zahlreicher, wenn auch nicht unbedingt guter Gesellschaft. Doch es lohnt sich, den Test zu machen, ob man beim Wort genommen werden darf.
«Wer in einem Wildschutzgebiet erwischt wird, zahlt locker mehrere Hundert Franken.» – Mag sein, dass das Geld jenen so locker in der Tasche sitzt, die dort durch den Schnee brettern, aber gemeint war wohl etwas anderes: «... muss schnell einmal mehrere Hundert Franken zahlen.»
«Unter Boreykos Stabführung entstehen gemeinsam mit dem Orchester eindrucksvolle Bilder.» – B. ist zweifellos imstande, mit seinem Zauberstab ein Orchester entstehen zu lassen, aber hier geht es wohl darum, dass er und das bereits bestehende Orchester gemeinsam Bilder entstehen liessen.
«Er bereicherte sich an der 'Arisierung' jüdischer Firmen.» – Von der «Arisierung» hat sich der Autor mittels Anführungszeichen distanziert, aber es scheint ihm zu entgehen, dass es «jüdische» Firmen nur in den Augen der «Arisierer» geben kann; gemeint sind Firmen im Besitz von Juden.
Ferner: «Unbotmässig» wird zuweilen ungebührlich verwendet («Harnstöffchen nagt unbotmässig am Gestein»). Das Wort bedeutet «ungehorsam», nicht «ungehörig», was hier wohl gemeint ist.
© Daniel Goldstein