Missbrauchte Wörter
Kommunizieren: Dazu brauchts mindestens zwei – wenn also ein Politiker begründet, weshalb er «seinen Entscheid erst jetzt kommuniziere», so können wir seine in Profi-Kommunikation geschwollene Redeweise allenfalls in direkter Rede tiefer hängen. Brauchen wir aber wie hier in indirekter Rede unsere eigenen Worte, so sagen wir, was er wirklich getan hat: den Entscheid bekannt gegeben.
Unterdessen, inzwischen: Unter dem Titel «Manor zieht ins Shoppy» stand als Untertitel: «Unterdessen hat der ... Umbau begonnen». Mitten im Umzug, so müssen wir uns vorstellen, erfolgte der erste Spatenstich (so heisst das, nicht nur Spatenstich). «Unterdessen» bezieht sich auf eine im Kontext genannte Zeitspanne; fehlt eine solche Angabe, so hat das Wort so wenig Berechtigung wie «inzwischen». Unterwessen denn, bzw. wozwischen? Besonders die Agenturen brauchen beides gern, um zu einem andern Aspekt des Themas überzuleiten, aber: lieber keine Überleitung als eine gekünstelte.
«Genmais» und Konsorten breiten sich aus – in der Wirklichkeit und in der Sprache. Vielleicht müssen wir uns mit beidem abfinden. Was die Sprache angeht: «Genmais» kann irreführend oder verharmlosend wirken. Laut einer Umfrage meinen viele Leute, sie ässen «nie etwas mit Genen drin». Natürlich hat jedes organische Produkt Gene drin – gerade darum könnte man argumentieren, mit «Genmais» sei so offensichtlich der gentechnisch manipulierte gemeint, dass der Ausdruck zulässig sei. Treffender und kräftiger in der Aussage ist «Gentechmais». Wer das Wort unschön findet, mag wohl auch die Sache nicht; Technologie-Gourmets mögen beides goutieren.
© Daniel Goldstein