Masslos falsch
Selbstverständlich muss bei jeder Zahl stehen (oder sonst wie klar sein), was da gezählt wird. Ebenso wichtig ist es, dass die richtige Masseinheit verwendet wird. Schon fast systematisch falsch machen wir es bei der Energie:
«In der Schweiz werden derzeit rund 5000 Watt pro Jahr und Kopf verbraucht.»
«Vor der Invasion produzierte (Irak) 4500 Megawatt Strom pro Tag.»
Das ist Unsinn: In Watt misst man weder den Verbrauch noch die Produktion in einer bestimmten Zeitspanne, sondern die Leistung, die in einem bestimmten Zeitpunkt fliesst. Eine 11-Watt-Sparbirne verbraucht laufend 11 Watt, wenn sie brennt, und sonst nichts. Lassen wir einen 1000-Watt-Fön eine Stunde lang laufen, so haben wir eine Kilowattstunde verbraucht, und unsere Stromrechnung wird um so viel höher.
Die 2000-Watt-Gesellschaft, um die es im ersten Beispiel ging, ist eine, in der jeder und jedem zu jeder Zeit 2000 Watt Leistung zur Verfügung stehen. Man kann damit 20 Hunderterbirnen brennen lassen oder beim Bauern die Melkmaschine betreiben helfen, bis man genug Milch hat, oder ein Stücklein Tram herumfahren lassen – aber nicht alles gleichzeitig. Pro Kopf und Tag werden in dieser Gesellschaft 48 Kilowattstunden Energie verbraucht.
Die irakischen Kraftwerke produzierten laufend 4500 Megawatt (wie vier rechte AKW, wenn sie nicht gerade abgestellt sind) – ob das der effektive Durchschnitt oder die maximal mögliche Leistung war, müsste man noch abklären.
© Daniel Goldstein