«Der Bund», 8.  9.  2017

Was Wörter erzählen, die eine Rückreise tun

«Hoodie, der oder das» hat es zusammen mit vielen anderen Anleihen beim Englischen in den Duden geschafft. In dieser Form und als Bezeichnung für Kapuzenjacke ist es gewiss ein Fremdwort, aber es könnte zugleich eines sein, das auf verschlungenen Pfaden aus dem Deutschen ausgewandert war und nun in veränderter Form und Bedeutung zurückgekehrt ist. Dieser Vorgang ist gar nicht so selten und oft besser belegt als nun beim Hoodie.

Dass die englische Kapuze, also «hood», mit unserem Hut urverwandt ist, reicht natürlich nicht aus, um einen deutschen Ursprung zu behaupten – so wenig, wie der Hut englisch ist. Wohl aber lässt sich für das Hoodie der Verdacht des Wortschmuggels begründen: Laut dem Wikipedia-Ableger Wiktionary wird nämlich in Britannien auch die Person unter der Jackenkapuze als «hood» bezeichnet, und dies unter dem Einfluss des Worts «hoodlum», das Strolch oder Gangster bedeutet und zuweilen ebenfalls zu «hood» verkürzt wird. Die Herkunft ist unsicher, Etymonline.com führt als Vermutung das «bayrische Hudellump» an; bei Wiktionary.org «Haderlump». So wird laut Duden in Österreich ein «liederlicher Mensch, Taugenichts» bezeichnet. Abgeleitet dürfte auch dieses Wort von Textilien sein. Fürs Schweizerdeutsche nennt das Idiotikon «Hudilump(er)», für «zerlumpter Kerl» und auch«Lumpensammler».

«Welcome home» also, Hoodie, ob’s stimmt oder nicht. Sicher aber ist der Coach, mit oder ohne Hoodie, ein Rückwanderer. Denn er stammt von der Kutsche ab, die zwar nicht deutschen Ursprungs ist, aber im deutschen Sprachraum erst so richtig Fahrt aufgenommen hat. Die niederländische Zeitschrift «Onze Taal» (Unsere Sprache) hat den Weg kürzlich nachgezeichnet. Demnach bauten Wagner in nordungarischen Dorf Kocs (sprich «Kotsch», heute 2600 Einwohner) feine Reisegefährte, die im Habsburgerreich als «Gutschenwagen» bekannt wurden, bald zu «Kutsche» verkürzt und in viele andere Sprachen exportiert.

Via Frankreich gelangte das Wort schon im 16. Jahrhundert auch nach England und blieb dort etwa dreihundert Jahre lang unbehelligt dem Personentransport vorbehalten. Bis Studenten auf die Idee kamen, Nachhilfelehrer ebenfalls als «Coaches» zu bezeichnen, für die bequeme Fahrt durch die Prüfungen. So ist das Wort um 1850 aus Oxford verbürgt, und bald danach tauchte es in der heutigen Bedeutung in der Sportwelt auf. Von dort hat es sich ausgedehnt – sowohl in andere Sprachen als auch auf andere Lebensbereiche.

«Coach» steht mit etwa hundert weiteren Beispielen für Rückwanderung in einem Aufsatz der Fachzeitschrift «Der Sprachdienst» über «Wörter in der Fremde» (2/17, gfds.de). Manchmal geht der «Auslandaufenthalt» allerdings bis aufs Spätlateinische zurück; das Wort ist aus einer damaligen germanischen Sprache in die romanische Sprachwelt gelangt und irgendwann ins Deutsche. Der Einfachheit halber wird bei den folgenden Beispielen neben dem «rückgewanderten» Wort nicht die (oft nur vermutbare) Frühform genannt, sondern was aus dieser ohne Fremdgehen im heutigen Deutsch geworden ist.

Der für uns überraschendste Fund: Biwak, «das wohl auf ein schweizerdeutsches biwach (Hilfswache) zurückgeht»; das Wort steht auch im Idiotikon. Ebenso erstaunlich: Bordell, eine Bude aus Brettern (Borden). Weitere Trouvaillen: Boulevard (Bollwerk – in Bern augenfällig), emaillieren (schmelzen), Etikette/Ticket (stecken), Fauteuil (Faltstuhl), Fiasko (Flasche), Fresko (frisch), Garage (wahren), Guerilla (Wirren), installieren (stellen), Tapas/Tampon (Zapfen). Diese Wortgeschichten bringen den Autor Jochen A. Bär – Professor im niedersächsichen Vechta – zum Schluss, punkto Wortschatz «reine» Sprachen habe es «zu keinem Zeitpunkt der Sprachgeschichte gegeben; Mauern lassen sich vielleicht gegen Menschen, aber nicht gegen Wörter errichten.»

© Daniel Goldstein (sprachlust.ch)