Weiblichkeit (1):
Tipps für Schreibende

Die Verwendung männlicher Formen allein, wenn Frauen mitgemeint sind, gibt immer wieder zu reden. Wir können weder eine Fussnote über das Mitmeinen setzen noch konsequent die Doppelnennung verwenden – das wäre eine Zumutung auch für die Leserinnen. In drei Folgen werde ich einige Tipps für den Umgang mit diesem Problem geben.

Beliebt und in manchen Fällen schon in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen ist die substantivierte Verwendung des Partizips Präsens: die Studierenden. Puristen wenden ein, dies gelte nur für die Zeitspannen des Studierens, Studenten und Studentinnen täten aber bekanntlich zwischendurch auch anderes. In Fällen wie diesem, wo sich das Partizip verselbständigt hat, ist der Einwand aber sicher nicht mehr berechtigt.

Es gibt sogar Fälle, wo das Partizip besonders treffend ist, weil es nicht um ein Wesensmerkmal, sondern um die momentane Tätigkeit geht: «Zu Fuss Gehende müssen wieder lernen, dass Rot am Fussgängerstreifen Warten heisst.» Hier ist aber die Umständlichkeit ein Problem; viel eleganter wäre: «Wer zu Fuss geht...»

Manchmal kann man die anstössige Personenbezeichnung auch schlicht weglassen: «Den Fussgängern stehen zwischen A und B neu sechs Fussgängerstreifen zur Verfügung.» Wem denn sonst: «Zwischen A und B gibt es neu sechs Fussgängerstreifen.» Und diese Streifen heissen nun mal so; sie zu betreten, ist auch Fussgängerinnen zuzumuten.

© Daniel Goldstein