Live-News

«Madonna tritt erstmals live in der Schweiz auf.» Kann sie denn auch anders auftreten, etwa als Erscheinung? Wenn sie zuvor nur aus dem Ausland auf einen Bildschirm übertragen wurde, wars eben kein Auftritt in der Schweiz. Und wenn nun Fans anreisen, «um sie live mitzuerleben», dann übertun sie sich: «um sie zu erleben» drückt gleich viel aus.

Die Werbesprache verwendet «live» gern, um Eindruck zu schinden. Der Ausdruck ist aber nur als (überflüssiges) Synonym für «direkt» bei Übertragungen angebracht. Um Präsenz zu markieren, taugt er nicht: Mehr als dabei kann niemand sein, auch wenn er «persönlich selber live mit dabei» ist.

Dies gilt auch dann, wenn der Anlass ein «Event» ist, der Veranstalter Good News von «Live-Konzert» redet («offiziell», als wäre er ein Amt), die Lastwagen mit dem Zubehör «Trucks» heissen und auch das Küchenteam bringen, das die «Entourage» (wenigstens vom Französischen her eingebürgert) «vor Ort» verpflegen wird (deutsch und überflüssig, gibts denn sonst Fernverpflegung?).

«Die eine News überrascht, die andere nicht.» «News» für Nachrichten kann als Plural sinnvoll sein, etwa wenn man von Nachrichten als Handelsware redet. Aber «eine News» hat uns gerade noch gefehlt – das ist nun schlicht eine Nachricht, auch wenn sie aus der Filmwelt kommt.

Wellnessen – wäre auch als Plural ungeniessbar, ist aber offenbar als Verb gemeint, wie wärs mit «wellnässen»?

© Daniel Goldstein