Wie sicher ist der Hafen?

Immer wieder finden Kriminelle oder ihr Geld einen «sicheren Hafen». Gegen diesen Tatbestand ist sicher etwas einzuwenden, vielleicht auch gegen den Ausdruck. Er ist zwar üblich geworden, man versteht ihn auf Anhieb, und er besteht aus deutschen Wörtern. Aber vermutlich ist es doch ein Anglizismus, schlecht übersetzt und unnötig.

Auf Englisch redet man von «safe haven»; «haven» ist zwar ein altes Wort für «Hafen», heute aber laufen die Schiffe im «port» ein. «Haven» wird im übertragenen Sinn für einen Zufluchtsort benutzt – so, wie wir von einem Hort reden. Der «sichere Hafen» ist also ein «sicherer Hort» – oder schlicht ein Hort, denn der ist per definitionem sicher.

Kein Hort: Wer in China ohne Genehmigung protestiert, dem droht «kriminelle Verfolgung». Wie wahr – doch in dieser Agenturmeldung wars wohl nur eine bequeme und falsche Übersetzung von «criminal», was hier «strafrechtlich» heisst.

© Daniel Goldstein