Davor und danach

«Für in der Deutschschweiz geborene Knaben wurde 287 Mal der Name Tim gewählt. Damit setzte sich dieser gegen Noah und den Vorjahressieger Luca durch.» – Es ist ein Sportjahr, aber ausserhalb dieser schönen Nebensache sollte die sportliche Ausdrucksweise zurückhaltend verwendet werden.

Das gilt auch für den Begriff «Rekord»: Er stand störend als Catchword vor dem Satz «Nirgendwo in Europa bringen sich so viele junge Männer mit Schusswaffen um wie in der Schweiz». Auch die «rekordverdächtigen 4,24 Promille Alkohol im Blut» wirken deplatziert – und wenn der Verdacht schon geäussert wird, wüsste man gern, obs denn der Höchstwert war. Meine Empfehlung: «Rekord» darf auch ausserhalb des Sports verwendet werden, aber nur dann, wenn es sich um eine zum Zweck des Vergleichs erbrachte Leistung handelt, etwa bei Prüfungsnoten. Aber Hauptsache: nie «neuer Rekord» – es gibt pro Leistungsart nur einen, und das ist per Definition der jeweils neueste.

«Aufgrund einer neuen Zählweise – erstmals wurden unterschiedliche Schreibweisen separat gezählt – lag Lena bereits im Vorjahr an der Spitze». – Seltsam, dass die neue, restriktivere Zählweise die Lena-Taufen rückwirkend vermehrt haben soll. Offenbar war Lena damals nur wegen der alten Zählweise (Leena mitgezählt) der häufigste Mädchenname.

«Nominal sind die GAV-Lohnverbesserungen für 2008 die höchsten seit 2002, als sie um 2,5 Prozent erhöht wurden.» – Besser: «Für 2008 gibt es nominal die höchsten GAV-Lohnverbesserungen seit 2002, als sie 2,5 Prozent betrugen.» Denn die «Verbesserungen für 2008» gab es 2002 noch nicht, und vor allem: Es werden nicht die Verbesserungen erhöht, sondern die Löhne (wenn überhaupt...).

«... Fendt, die als ehemalige Spitzenschwimmerin ein Dutzend nationale Meistertitel errungen hat.» – Tolle Leistung für eine Ehemalige! Wie viele Titel hat sie wohl schon als Aktive errungen? (Ähnlich immer wieder etwa «persönlicher Mitarbeiter alt Bundesrat Ogis», wenn Mitarbeit während dessen Amtszeit gemeint ist.)

«Noch ist Vechigen die einzige Gemeinde im Worblental, die keine Tagesschule anbietet. Das soll sich spätestens 2010 ändern.» – Wir warten gespannt darauf, welche andere Gemeinde bis dann ihre Tagesschule wieder abschafft.

© Daniel Goldstein